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STREIFLICHTER 15.10.07
„Djangos Reise - Asül bei den Türken“: Ausstrahlung


„Djangos Reise - Asül bei den Türken“: Nein, der Sendetitel beinhaltet nicht etwa einen Schreibfehler, sondern steht für einen gleichermaßen informativen wie unterhaltenden Zweiteiler mit dem Kabarettisten Django Asül. Die Assoziation zu „Asyl“ ist beabsichtigt. Denn dem Gastarbeiter-Sohn aus Hengersberg in Niederbayern liegen - trotz seiner türkischen Wurzeln - Berlin-Kreuzberg und Neukölln so fern wie Istanbul. Genau dort aber wollte er erfahren, wie die Türken in Deutschland leben und wie es um die deutsch-türkischen Beziehungen im Allgemeinen und im Besonderen steht.

Was er dabei erlebte, zeigt Das Erste am 17. und 24. Oktober um 22.45 bzw. 23.30 Uhr. Für den ersten Reportageteil („Berlin“) besuchte Django Asül u.a. den Fußball-Club Türkyemspor, Jugendliche in Problemkiezen und den liebenswerten türkischen „Ortsvorsteher“ von Kreuzberg. Für die Fortsetzung („Istanbul“) traf sich der 35jährige beispielsweise mit dem Unternehmer Ercan Engin, der Modeschöpferin Rabia Yalcin und dem Journalisten Oral Çali_lar. Doch auch ein 14-Jähriger namens Ferdi steht dabei im Mittelpunkt, der sich durch den Verkauf von Jojos etwas dazu verdient.

Wieder zuhause in Hengersberg zieht Django Asül schließlich eine persönliche Bilanz - natürlich auf seine Art: „Die Muttersprache und das Vaterland sind maßgeblich für die Identität. Und wenn ich so richtig überlege… Die Sprache meiner Mutter, also türkisch, war nie meine Muttersprache. Und das Land meines Vaters, die Türkei, war nie mein Vaterland. Identitätsmäßig bin ich also ein Totalausfall.“

„Djangos Reise - Asül bei den Türken“ ist die erste große Produktion von Pimento, des Nonfiktion-Departments der Askania Media, für den rbb (Redaktion: Johannes Unger). Produzentinnen sind die Pimento-Geschäftsführerinnen Heike Raab und Elle Langer, die auch Regie führten. Das Drehbuch war gemeinsam mit Ceylan Yildirim (Producerin der Askania Media) und zwei weiteren Autoren entstanden.

Die Streiflichter fragten Elle Langer und Heike Raab:

Warum haben Sie sich bei der ersten großen Produktion im Auftrag des rbb ausgerechnet für diese Reisereportage entschieden?
Elle Langer: Welches Genre der Film am Ende haben wird, stand am Anfang noch nicht fest. Erst während der Drehbucharbeit wurde klar, dass es auf eine Mischform zwischen Reportage und Dokumentation hinauslaufen wird, bei der die Reise unseres Helden, der türkische Niederbayer Django Asül, im Vordergrund steht.
Heike Raab: Django Asül ist ein ausgewiesener Provinzmensch, der sich überhaupt nicht in der türkischen Szene in Deutschland auskennt. Damit hat er vieles mit dem deutschen Fernsehzuschauer gemein. Diese Genremischung hat die meisten Möglichkeiten geboten, mit Django Asül innerhalb der unterschiedlichen türkischen Lebenswelten sowohl journalistisch als auch unterhaltend auf Entdeckungsreise zu gehen.

Der „Held“ des Zweiteilers ist eine bekannte und auch prägnante Persönlichkeit. Wie viel Django Asül steckt in den beiden 45-Minütern?
Elle Langer: Viel. Er trägt ja den Film. Wobei das Drehbuch zunächst in Zusammenarbeit mit deutschen und türkischen Autoren entstanden ist. Die Protagonisten und Themen wurden von uns gesetzt und recherchiert. Django Asül hat am Ende seine authentische niederbayerische Sicht kabarettistisch eingebracht. Das war perfekt. Hier haben wir uns sehr gut ergänzt.
Heike Raab: Authentizität und Genauigkeit in den Inhalten war für Django Asül von Anfang an sehr wichtig. Die Filme sind wirklich in enger Abstimmung entstanden.

Gab es im Laufe des Drehs Erlebnisse, mit denen Sie trotz der Vorrecherchen nicht gerechnet hatten?
Elle Langer: Außer schlechtem Wetter - nein, im Gegenteil. Alle Protagonisten waren sehr gesprächsbereit und hatten Spaß an den Dreharbeiten. Es gehörte aber zum Konzept, dass Django Asül relativ unvorbereitet auf Menschen trifft, damit seine Fragen und Äußerungen authentisch und emotional sind. Wir haben sogar am Set entschieden, dass Django Asül mit jemandem spontan eine Begegnung haben soll. Das Konzept ist aufgegangen, weil der Film dadurch eine Leichtigkeit und Emotionalität bekommen hat. Mit einem reinen Abdrehen des Drehbuchs lässt sich so etwas in einem journalistischen Format nicht erreichen.
Heike Raab: Die meisten Überraschungen erlebten wir bereits während der Recherchen: Wir waren selbst erstaunt, wie vielschichtig das türkische Leben eigentlich ist und wie wenig wir Deutschen bislang darüber wissen wollten. Viele türkischstämmige Berliner sind deshalb auch sehr enttäuscht.

Welches ist Ihre eigene Bilanz nach dieser Arbeit?
Elle Langer: Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Deutsche viel zu wenig über die Türken wissen. Fast alle Türken, in Deutschland und in Istanbul, haben uns unterstützt, wo sie nur konnten. Es gab aber auch viel Skepsis, da befürchtet wurde, dass wieder negativ über die Türken berichtet wird. Wir sind überzeugt davon, dass ähnliche Projekte zu einem besserem Verständnis zwischen Deutschen und Türken beitragen können und da ansetzen, wo deutsche Integrationspolitik bislang nicht durchdringen konnte, nämlich auf der zwischenmenschlichen Ebene.
Heike Raab: Wir Deutschen lernen langsam: In Deutschland leben Menschen mit einer anderen Kultur und Religion. Wir müssen gemeinsam darüber diskutieren, wie sie das tun dürfen. Bislang haben davor die meisten einfach die Augen verschlossen. (caro)

Kontakt: Claudia Korte-Hempel, rbb-Pressestelle, 030 / 97 993-12106

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